Ich


Unser Ich ist ein Gegenstand, dem wir unbedingtes Interesse entgegenbringen sollten.

Unsere wichtigste Identitätsquelle, so banal es klingt, ist unser Aussehen. Unter anderem deshalb ist es wichtig, sich darum zu kümmern.

Adornos bekanntes Bonmot "Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen" ist amüsant, offenbart allerdings auch, welch ein Snob der Schreiber war.

Man ist nie ganz allein, schließlich hat man immer sich selbst als Gesprächspartner.

Hör mir zu, sagt das Sorgen-Ich. Also höre ich. Sag was dazu, sagt das Sorgen-Ich. Also rede ich, so lange, bis es Ruhe gibt und wieder einschläft.

Als Kind und Jugendlicher habe ich das Erziehungsideal der Selbstbeherrschung gehasst. Dass die weitaus meisten Dummheiten auf das Konto mangelnder Selbstbeherrschung gehen, zu dieser Erkenntnis verhilft erst eine Portion Lebenserfahrung.

Kinder helfen sehr, die eigenen Eltern und sich selbst besser zu verstehen.

La Rochefoucauld: "Man weiß durchaus nicht alles, was man will." Der in uns schlummernde Wille ist eine autonome Instanz. Neben dem Gefühl ist er das wichtigste Instrument unseres inneren Ichs, sich gegenüber dem Denken zu behaupten.

Noch einmal La Rochefoucauld: "Oft glaubt man die Schmeichelei zu hassen, aber man hasst nur die Art der Schmeichelei." Gute Schmeichelei, sei ergänzt, bemerken wir überhaupt nicht als solche. Wir halten sie für wahr.

Ein Gefühl, das mich in unserer medialen Wissensgesellschaft mehr und mehr erfasst, ist das der Fassungslosigkeit.

„Der wahre Reichtum eines Menschen ist das, was er anderen Gutes getan hat“ (Gandhi). Wenn ich ein Lebensmotto wählen müsste, dann dieses.

Ich bin ein zweifelnder Pragmatiker. Dogmatische Theoretiker kann ich nicht ausstehen.